28.04.2020

Videochat-Programme

Videochat-Programme gibt es viele, aber welches kann was?

Wir haben die Funktionen kostenloser Angebote verglichen.

Videokonferenzen gehören nicht nur für Home-Office-Arbeiter zum Alltag, immer mehr Menschen treffen sich auch nach Feierabend zum Glas Obstschorle vor der Kamera. Während im Berufsleben häufig kostenpflichtige Videochat-Tools zum Einsatz kommen, gibt es auch etliche sehr gute Programme kostenlos – die sich jedoch stark im Funktionsumfang unterscheiden. Für diesen Überblick haben wir neun Produkte ausgewählt: Blizz von TeamViewer, Cisco Webex, Discord, Facebook Messenger, Google Hangouts, Jitsi Meet, Microsoft Teams, Skype und Zoom. Sie kommen allesamt von kommerziellen Anbietern, nur Jitsi Meet fällt etwas aus der Reihe: Die Jitsi-Software steht als Open Source zur Verfügung; wer will, baut damit einen eigenen Videokonferenz-Server auf. Für User ohne eigenen Server steht der öffentliche Server meet.jit.si zur Verfügung. Finanziert wird das Projekt von dem US-amerikanischen VoIP-Unternehmen 8&8. Apple Facetime (das laut Entwickler übrigens vorbildlich Ende-zu-Ende-verschlüsselt ist) haben wir außen vor gelassen, da die Software nur mit Apple-Geräten funktioniert.

Bei TeamViewer Blizz, Cisco Webex, Microsoft Teams und Zoom haben wir uns die abgespeckten Gratis-Varianten kostenpflichtiger Angebote angeschaut. Facebook und Skype sind grundsätzlich kostenlos, lediglich für das Anrufen von Mobil- und Festnetznummern muss man bei Skype Guthaben aufladen. Google Hangouts war und bleibt ebenfalls kostenlos, die kostenpflichtige Variante heißt seit Neuestem Google Meet und ist Teil des Geschäftskundenangebots G Suite. Discord ist der bunteste Vertreter der Auswahl: Die Software war ursprünglich ein Kommunikations- und Streaming-Tool nur für Gamer, wird inzwischen aber auch häufig außerhalb des Spielekontexts verwendet.

Wie viele dürfen?

Bei Teams, Zoom, Jitsi, Skype und Facebook dürften die meisten Privatnutzer nicht an die Teilnehmergrenze stoßen: 250, 100, 75 und jeweils 50 können hier mitmachen. Allerdings kann es bei Jitsi ab ungefähr 35 Menschen im Videochat zu Bild- und Tonaussetzern kommen – bei Massenveranstaltungen empfiehlt Jitsi deshalb, nur die Sprechenden in den Videochat zu holen und den Videostream ansonsten live auf YouTube zu streamen, die Funktion dafür ist integriert. Discord und Hangouts unterstützen zehn Teilnehmer, bei der kostenlosen Blizz-Version sind es sogar nur 5.

Sicherheit und Datenschutz

Die Frage, wie sicher Videochats sind, stellt sich nicht erst seit den Diskussionen um Zoom: Das Unternehmen hatte mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung geworben, was letztendlich eine Lüge war. Wie fast alle Videochat-Tools nutzt Zoom zwar eine Transport-Verschlüsselung vom und zum Server, dort werden die Anrufe aber unverschlüsselt verarbeitet. Von den hier vorgestellten Angeboten nutzt lediglich TeamViewer Blizz eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung – zumindest nach eigenen Angaben, überprüfen konnten wir das bislang nicht. Wer sichergehen will, dass niemand mithört und -guckt, sollte sich überlegen, Jitsi auf einem eigenem Server zu installieren. Ein weiterer Sicherheitstipp: Bei Anbietern, mit denen man ohne Account und nur mit einem Link an einem Videochat teilnehmen kann, sollte man ein Passwort einstellen. Sonst riskiert man, dass sich Unbefugte mit einem erratenen Link ins Gespräch einschleichen – das kommt offenbar so häufig vor, dass die englischsprachige Wikipedia bereits einen Begriff für den Vorgang listet: „Zoombombing“.

Als Auftragsverarbeiter dürfen die Videochat-Tools von dieser Zugriffsmöglichkeit gleichwohl nur Gebrauch machen, wenn es mit dem Vertrag nach Art. 28 DSGVO und den Weisungen des Kunden vereinbar ist. Der Anbieter könnte die Daten demnach weder für eigene Zwecke nutzen noch unautorisiert an Dritte weitergeben, ohne vertragsbrüchig zu werden. Dennoch empfiehlt es sich vor diesem Hintergrund, keine sensiblen Inhalte, wie etwa besondere Kategorien personenbezogener Daten oder Geschäftsgeheimnisse, über Videochats zu kommunizieren. Oder anders: Teilen Sie über Videochats nur Inhalte, die Sie guten Gewissens auch unverschlüsselt per E-Mail versenden würden.